
Sie haben ein Busunternehmen

Hier können sie Presse-
mitteilungen nachlesen.
Unteranderem Artikel von
bekannten Zeitungen

Hier finden Sie
in unserer Bildergalerie
einige Impressionen
Die Katze auf dem kleinen Ofen ist ein Plüschtier. Darauf hätte die grauhaarige Dame am ersten Tische bislang gewettet. Doch jetzt kommt sie ins Zweifeln, denn das süße Tier hat sich soeben bewegt. Sie stößt ihre Nachbarin an: "Hast Du's auch gesehen?" Zeitgleich wabert plötzlich Rauch aus dem Öfchen, der Wasserkessel darauf beginnt ebenfalls zu dampfen. Alles wie von Zauberhand in Gang gesetzt. - Und die gehört Eberhard Gatzsch. Mit einer seiner zahlreichen Fernbedienungen hat er die Illusion erweckt, dass ein gemütliches Feuer entfacht wurde. Passend zum Lied, das Gitte und Klaus gerade anstimmen - "In der Weihnachtsbäckerei ..."
So geschehen dieser Tage am Rande des kleinen Meuselwitzer Ortsteils Falkenhain. Dort, wo sich eigentlich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, seit einigen Jahren aber Reisebusse aus allen Ecken und Enden Deutschlands ihr Ziel finden. Denn gleich neben dem verwunschen anmutenden Park haben Ulla und Eberhard Gatzsch vor gut zehn Jahren ihre "Parkgaststätte" eröffnet und als Seiteneinsteiger seither auf ungewöhnlichem Weg zu ungeahntem Erfolg geführt. Schließlich geben sich in Ullas "Oase zur guten Laune", wie die Gaststätte in einer MDR-Sendung liebevoll betitelt wurde, inzwischen namhafte Künstler förmlich die Klinke in die Hand.
Begonnen hatte es just am Tag der Währungsunion, als die langjährige Leiterin einer Betriebsverkaufsstelle mit einem Getränkemarkt in der eigenen Garage in die neue Welt startete. Vom Ehemann zwar nach Kräften unterstützt, aber anfangs recht skeptisch beäugt. Doch es lief besser als gedacht. Eine nur wenige Meter entfernt liegende Kleingartenanlage sorgte immer für ausreichend Kundschaft. Irgendwann war dann auch Eberhard überzeugt, dass aus dem Provisorium etwas "Ordentliches" gemacht werden müsse. Doch selbst nach der Eröffnung der "Parkgaststätte" brauchte der versierte Tüftler ganze zwei Wochen, bis er seinen "Blaumann" endlich mal auszog und mit bediente. "Eberhard hatte zuerst richtige Angst, auf die Leute zuzugehen. Er ließ mich da ziemlich allein." Doch das gab sich schnell. Alsbald hängte der gelernte Schlosser seinen Job im Tagebau Groitzscher Dreieck an den Nagel und baute kräftig mit an der neuen Existenz.
Die anfangs freilich nicht nur einmal auf dem Spiel stand. Denn die hübsche Gaststätte mit ihrem rustikalen Ambiente hatte auch eine hübsche Stange Geld gekostet, mehr als ursprünglich geplant. Außerdem war schon bald klar: Allein vom Tagesgeschäft, von Familienfeiern und der so genannten Laufkundschaft lässt sich die Sache nicht kostendeckend betreiben. Dazu war die Gaststätte einfach zu abgelegen. Also kamen Ulla und Eberhard Gatzsch auf die Idee, ihr Terrain für die allerorts beliebten Kaffeefahrten zu öffnen. Doch bei einem Alleinunterhalter wie zu Familienfesten wollten sie es nicht bewenden lassen. Da gab es genug Mitbewerber, und es entsprach so gar nicht den eigenen Ansprüchen. Also setzte sich Eberhard an den Computer und entwarf eigene Programme. Unverwechselbar wollte man sein.
Das Konzept ist mittlerweile aufgegangen. Schon 40 unterschiedliche Offerten von Volksmusik über Jägerfest, Operettenabende, heimatgeschichtliche Führungen bis hin zu Fahrten mit dem Kremser durch den Luckaer Forst, mit dem Schiff über den Cospudener See oder mit der Kohlebahn können gebucht werden. Ganz neu im Angebot sind Stadtrundfahrten mit Oldtimer-Bussen in Leipzig oder "Belantis für Senioren".
Besonders beliebt sind vor allem in der kühleren Jahreszeit die Unterhaltungsprogramme. Die aus Funk und Fernsehen bekannten Volksmusikanten Gitte und Klaus waren die Ersten, die Gatzschs engagiert hatten und die den Newcomern den Weg ins Showgeschäft ebneten. Die Liste derer, die seither in Falkenhain sehr zur Freude des Publikums ihre Visitenkarte abgaben, ist lang und namhaft: Eberhard Hertel, Stefan Mross, Achim Mentzel, Margot Hellwig und Töchter, Florian Silbereisen - zuletzt mit der Übernahme der Carmen-Nebel-Show geadelt - Fischer & Fischer, Astrid Harzbecker. Neu unter Vertrag ist im nächsten Jahr Karin Roth, die Tochter der Rennsteig-Legende Herbert Roth.
Keinesfalls fehlen dürfen in der Aufzählung Fred Schmidt, Leni Staatz sowie eben Gitte und Klaus - die Urgesteine des "Oberhofer Bauernmarktes". Die überaus beliebte Sendung des DDR-Fernsehens ließen Gatzschs wieder aufleben. "Da der Name selbstverständlich geschützt ist, haben wir den Auftritten der vier bei uns eben einen neuen gegeben", sagt Eberhard. Seit vielen Jahren lädt das Gaststätten-Ehepaar nun schon zum "Falkenhainer Bauernmarkt". Mit stetig wachsendem Erfolg.
Inzwischen sind auch die überregionalen Medien auf das Familienunternehmen aufmerksam geworden. Der MDR drehte für seine Serie "Hierzulande" ein 15-minütiges Porträt, Florian Silbereisen kam mit seiner Sendung "Vertretung für einen Tag" nach Falkenhain und die "Bild"-Zeitung berichtete gar von der Silberhochzeit des Paares. Kein Wunder, wenn Namen wie Eberhard Hertel, Achim Mentzel oder Gitte und Klaus auf der Gästeliste eines privaten Ehejubiläums im kleinen thüringischen Falkenhain stehen. "Wir sind hier eben wie eine große Familie", kommentieren die Künstler die nicht alltägliche Situation. Da gehören gegenseitige Einladungen ganz einfach zur Selbstverständlichkeit.
Während Familie Gatzsch in den ersten Jahren ihrer neuen beruflichen Selbständigkeit noch mit Zittern und Zagen die üblichen Flauten der Gaststätten-Branche überstand, sichert inzwischen nur rechtzeitiges Kommen - sprich Anmelden - die Plätze für Veranstaltungen und Familienfeste. Schon jetzt sind die Veranstaltungen zu Weihnachten 2004 so gut wie ausgebucht. Der Zwei-Mann-Betrieb der Anfangszeit hat sich inzwischen ordentlich gemausert, neun Leute gehören jetzt zum Team, darunter auch Sohn Marko - vor vier Jahren der erste Lehrling in der Küche der "Parkgaststätte" - und Schwiegertochter Andrea.
Aufgrund des Erfolgs der Komplett-Pakete mit Ausflügen, Unterhaltung und gutem Essen inklusive haben sich Gatzschs inzwischen gänzlich vom normalen Gaststättenbetrieb verabschiedet. "Das passt logistisch einfach nicht zusammen", begründet Ulla die Entscheidung, die zugegebener Maßen nicht leicht gefallen ist. "Wer aber nicht mit einer Reisegruppe zu uns kommen will, kann natürlich auch privat Veranstaltungen buchen. Restplätze sind meistens noch zu haben. "
In der Vorweihnachtszeit sind es derzeit täglich 80 bis 100 Gäste, die den Weg in die "Oase der guten Laune" finden und nicht nur kulturell und lukullisch, sondern auch optisch etwas geboten bekommen. Denn die Gestaltung der Gaststätte ist wahrlich eine Augenweide. "Inzwischen erwarten die Leute von uns schon, dass wir passend zu jeder Jahreszeit eine andere Dekoration haben", weiß Eberhard Gatzsch, der beim Werkeln und Basteln, beim Erfinden immer neuer Details in seinem Element ist. "Das war schon immer mein Hobby, früher habe ich es eben an der Modelleisenbahn ausgelebt. Das ist mir wahrscheinlich in die Wiege gelegt worden."
Die mit Abstand umfänglichste Deko entsteht unter seinen geschickten Händen alljährlich in der Vorweihnachtszeit. Dafür wird die Gaststätte in November eigens eine Woche geschlossen und dann zu Eberhards Reich. Täglich zwölf Stunden braucht der 49-Jährige, um unzählige Weihnachts- und Schneemänner, Nussknacker, Räuchermännchen, Eisenbahnen, Tannengrün und Watteschnee und natürlich Lichter anzunageln, aufzustellen, festzubinden oder zu installieren. "Fotos aus dem Vorjahr helfen, aber es kommen auch immer neue Ideen dazu." Vieles davon wird dann ins Weihnachtsprogramm der Künstler integriert - wie in diesem Jahr eine kleine Katze und ein Ofen.
Quelle: www.ovz-online.de